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44. Auflage in der Sportschule Hennef: Bundesfachtagung für Sport- und Bewegungstherapeut*innen

Zum 26. Mal fand in der Sportschule Hennef die Bundesfachtagung für Sport- und Bewegungstherapeut*innen statt. Der Bundesverband der Sporttherapeuten in -forensischen- Psychiatrien hat sich zum Ziel gesetzt, Sporttherapeutinnen und Sporttherapeuten in psychiatrischen Einrichtungen, insbesondere im Maßregelvollzug, zu vertreten, ihre Anliegen und Fragestellungen aus der täglichen Arbeit aufzugreifen und ihnen durch öffentliche Präsenz und Diskurs Anspruch und Gehör zu verschaffen. Im Interview berichten Nick Pavel (1. Vorsitzender) und Ernst Peter Preu (2. Vorsitzender) über die Ziele des Verbands, die Rolle von Sport- und Bewegungstherapie sowie kommende Veranstaltungen in der Sportschule Hennef.

Nick Pavel (1.Vorsitzende) und Ernst Peter Preu (2. Vorsitzende) vom Bundesverband der Sporttherapeuten in -forensischen- Psychiatrien

Sportschule Hennef: Herr Pavel, seit vielen Jahren findet die Bundesfachtagung für Sport- und Bewegungstherapeutinnen und Bewegungstherapeuten in der Sportschule Hennef statt: Warum haben Sie sich erneut für diesen Veranstaltungsort entschieden?

Nick Pavel: Die Sportschule Hennef ist tatsächlich bereits seit 26 Jahren unser Austragungsort für die Fachtagung: Schöne Sportanlagen, tolles Ambiente, nette Mitarbeiter, eine sehr gute Organisation und vor allem Verlässlichkeit: Das ist es, warum wir uns für die Sportschule entscheiden.

Sportschule Hennef: Herr Preu, welche Themen stehen für die Teilnehmenden im Mittelpunkt?

Ernst Peter Preu: Allgemein ist die Bundesfachtagung eine einzigartige Fachweiterbildung für Sporttherapeutinnen und Sporttherapeuten in Psychiatrie und ganz besonders in forensischer Psychiatrie mit sehr motivierten Teilnehmenden, die sich gerne weiterentwickeln wollen. Wir bieten ihnen eine ausgeglichene Mischung aus Praxis- und Theorieveranstaltungen an, welche sich im Sinne der Evidenzbasierung an den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Austausch und die Vernetzung untereinander, wobei es hier viele Möglichkeiten dazu gibt. Dieser Punkt hebt sich nochmals hervor, da viele Sporttherapeut*innen in ihrem Arbeitsalltag allein auf weiter Flur stehen. Der fachliche Austausch und die Vernetzung untereinander sind auch gern genannte Aspekte, wieso die Nachfrage hoch und die Veranstaltung regelmäßig ausgebucht ist.

Sportschule Hennef: Welche Ziele verfolgt der Bundesverband mit seiner jährlich stattfindenden Fachtagung?

Nick Pavel: Wir verfolgen in erster Linie die Professionalisierung unseres Berufsfeldes. Das konnten wir in den letzten Jahren insbesondere durch wissenschaftliche Expertise, Forschung und praxiszentrierte, therapeutisch hochwertige Seminare sowie edukative  Workshops unterstützen. Das ist gleichzeitig die Basis für einen hohen Ausbildungs- und Qualitätsstandard. Des Weiteren geht es natürlich auch um Vernetzung und fachlichen Austausch unter Expertinnen und Experten, was sich ebenfalls auf die Behandlungsqualität auswirkt.

Sportliche Einheiten durften bei der Bundesfachtagung nicht fehlen

Sportschule Hennef: Welche Rolle spielt die Sport- und Bewegungstherapie in der Behandlung psychiatrischer Patientinnen und Patienten?

Ernst Peter Preu: Natürlich eine sehr wichtige Rolle. Vielerorts hat sich die Sporttherapie bereits über Jahre durch ihre wirkungsvolle Behandlung sehr bewährt. Die körperbezogene und ressourcenorientierte Arbeit mithilfe des vielseitigen Mediums Sport bietet die Möglichkeit, mit allen Patient*innen in Kontakt und Bewegung zu kommen.

Sich nach dem Laufen und dem Fußballtraining wohlzufühlen, kennen viele Freizeitsportler. Immer mehr Studien zeigen den absoluten Mehrwert von Bewegung in der Behandlung von psychiatrischen Patient*innen auf. Mittlerweile ist Sport- und Bewegungstherapie auch in einigen nationalen Versorgungsleitlinien (z.B. S3-Leitlinie Depression und Schizophrenie) als hochwirksamer therapeutischer Standard verankert.  Man spricht im „Fachjargon“ gerne von einer „Poly-Pill“. Sie wirkt mehrdimensional (bio-psycho-sozial) sozusagen auf Körper, Geist und Seele und nicht wie andere Therapieformen lediglich in eine Wirkrichtung.

Beispielsweise kommt bei depressiven Erkrankungen die Ausschüttung von Endorphinen durch Sport und Bewegung der Stimmungsstabilisierung zugute. So werden Motivation und Antrieb gesteigert. Ganz nebenbei werden häufig ungewünschte Nebenwirkungen der krankheitsspezifischen Medikamente entkräftet. Bei der Schizophrenie konnte für die Behandlung mit Sport sogar Wachstum in den betroffenen Hirnarealen bildlich nachgewiesen werden. Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Die Sporttherapie verfügt über eine phänomenale Ökobilanz: kostengünstig, praktisch keine Nebenwirkungen, risikoarm und äußerst beliebt unter Patient*innen.

Sportschule Hennef: Ist das die einzige Veranstaltung seitens des Bundesverbands, die in unserer Sportschule durchgeführt wird?

Nick Pavel: Nein, tatsächlich führen wir jährlich auch noch die deutschen Meisterschaften im Patientenfußball psychiatrischer Einrichtungen durch.

Ernst Peter Preu: Seit vielen Jahren ist es so, dass wir mit einer Vielzahl von psychiatrischen Kliniken in Deutschland Qualifikationsturniere ausspielen. Dort treffen eben Patienten-Mannschaften aufeinander, die von unseren Sporttherapeutinnen und Sporttherapeuten trainiert werden. In der Sportschule Hennef wird dann drei Tage lang das Endturnier unter den Qualifikanten ausgespielt, sodass wir hier sogar übernachten und auch Patienten die Vorzüge der Sportschule wahrnehmen. Der Deutsche Meister wird gekürt, was für viele Patienten ein persönliches Highlight ist und mitgenommen wird, als wichtiger, wertvoller Erfahrungsschatz.

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