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Ein Weltmeister-Trainer in Hennef! Erik Wudtke und der neue U19-Jahrgang des DHB starteten mit einem intensiven Trainingslager in der Sportschule Hennef. Drei Tage voller Taktik, Teambuilding und Hallentraining – mit dem Ziel, an den WM-Erfolg des Sommers anzuknüpfen. Im Interview spricht Wudtke über den Titel, die neue Generation und die Bedeutung von Hennef als Trainingsort.

Sportschule Hennef: Erik [Wudtke], zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum kürzlich errungenen Weltmeistertitel mit den deutschen U19-Handball-Junioren – darauf kann man wirklich stolz sein. Daher direkt die erste Frage: Wie stolz bist du auf diesen Erfolg, sowohl persönlich als auch im Hinblick auf die Leistung der Mannschaft?

Erik: Ich bin schon auch ein bisschen stolz darauf, dass ich zumindest Teil der Mannschaft sein darf. Als Trainer ist man in einer besonderen Position: Man trägt Verantwortung. Als Trainer einer Nachwuchsmannschaft ist es noch mal was Spezielles, weil man für Nachwuchsspieler Verantwortung trägt. Zum einen was ihre sportliche Entwicklung, zum anderen aber auch was ihre Persönlichkeit angeht.

Sportschule Hennef: Gab es einen Moment, in dem du wusstest: „Dieses Team kann Weltmeister werden“?

Erik: Ja, ich habe in die Fähigkeiten dieser Mannschaft viel Glauben investiert. Dass wir tatsächlich Weltmeister werden könnten, daran denkt man während des Turniers eher selten. Aber mir war von Anfang an klar, dass diese Mannschaft lange im Wettbewerb bleiben und sich von Spiel zu Spiel steigern würde. Spätestens nach dem schwierigen Spiel in der Gruppenphase gegen die Faröer und dem dann anschließenden Entscheidungsspiel gegen Slowenien. Entweder wir spielen um die goldene Ananas im Presidents-Cup oder du hast eine Chance in dem Turnier ganz lange drin zu bleiben. Der Umgang mit dieser Drucksituation war für mich der Key-Moment, bei dem ich gesagt habe: Die Jungs gehen so positiv mit dieser Stresssituation um, die werden noch am letzten Tag des Turniers ein Spiel haben.

Sportschule Hennef: Jetzt bist du mit dem neuen U-19 Jahrgang hier im Trainingslager in Hennef. Nach so einem großen Erfolg, wie schwer ist es dann wieder den Fokus auf den nächsten Jahrgang zu legen?

Erik: Ich gebe zu, ich habe mir zur Verarbeitung des letzten Jahrgangs und vor dem Start mit dem neuen Jahrgang zwei Wochen Urlaub in Südtirol gegönnt. Die haben sicherlich positiv dazu beigetragen, dass man von einer Mannschaft Abstand nehmen kann. Auch wenn das schwerfällt, da man eine innere Bindung zu jungen Leuten aufbaut. Insofern habe ich die Zeit dazu genutzt, ein bisschen mit dem Turnier abzuschließen, innerlich darüber nachzudenken, was wir alles erlebt haben, aber auch schon Pläne für den neuen Jahrgang zu schmieden. Die neue U18/19 zwei Jahre zu begleiten und zu überlegen, welche Veränderungen wir mit dieser Gruppe anstreben, ist eine schöne Herausforderung. Ich kann sagen, dass beim jetzigen Lehrgang hier in der Sportschule Hennef, der Hunger immer noch groß ist, um mit den Jungs wieder Neues zu erreichen.

Trainingslager in Hennef: Erik Wudtke (6. von rechts) und der neue U19-Jahrgang des DHB zu Gast in der Sportschule Hennef

 

Sportschule Hennef: Vielleicht dann aus Sicht der Jungs: Wie groß sind denn die Fußstapfen für diesen neuen Jahrgang?

Erik: Dieser U19-Weltmeistertitel war das fehlende Puzzlestück in der Nachwuchsförderung des Deutschen Handballbunds. Wir haben bis dato alle Titel geholt, die man im Nachwuchsbereich holen kann. Wir haben mit den A-Mannschaften auch viele Erfolge feiern dürfen. Was fehlte, war dieser Titel bei der U-19-Weltmeisterschaft der Junioren. Der Jahrgang 2006/2007 hat es jetzt geschafft. Erfolge mit Nachwuchsmannschaften sind vor allen Dingen für die persönliche und sportliche Entwicklung der Jungs wertvoll.

Sportschule Hennef: Es sind viele unterschiedliche einzelne Talente, die dann bei einem solchen Trainingslager zusammenkommen. Wie schaffst du es aus diesen vielen Individualtalenten eine geschlossene Mannschaft zu formen?

Erik: Wichtig ist es, gemeinsame Werte in einer Mannschaft herzustellen, die natürlich auch vom Trainerteam vorgegeben werden. Aber es sind auch Werte und Normen, die sich die Mannschaft selber setzt. Und dann helfen natürlich neben gemeinsamen Werten auch gemeinsame Ziele. Es verbindet, wenn man weiß, dass man in einen Teamsport auf Mitspieler angewiesen ist, dass man sich aufeinander verlassen kann und selbst auch in der Verantwortung für Leistung steht. Das sind Dinge, die eine Mannschaft zusammenschweißen. Wir nutzen gerne diese Trainingslager hier in der Sportschule Hennef dazu, um die Jungs in der sportlichen Dimension weiterzuentwickeln. Aber auch um die Zusammenarbeit mit Spielern aus unterschiedlichen Clubs zu fördern. Die sind Leistungsträger in ihren Teams und müssen eine neue Rolle in der Nationalmannschaft annehmen. Das ist immer ein spannender Prozess, der mit viel Vertrauen und Kommunikation verbunden ist. Da ist viel Input in wenigen Tagen gefragt.

Sportschule Hennef: Wie förderst du den Team-Zusammenhalt außerhalb dieser Halle?

Erik: Den Teamzusammenhalt außerhalb der Trainingsmaßnahmen fördern Gespräche im Seminarraum. Man redet viel miteinander, man hat Übungsformen, die wir zusammen gestalten. Wir machen Videoanalysen sowie Spielvorbereitungen und reden gemeinsam über Trainingsinhalte. Da ist das Thema Partizipation sehr wichtig. Das soll nicht von oben herab geschehen, sondern die Spieler müssen mir auch sagen, was sie brauchen. Es ist ihr Training, welches ich leite, aber die Inhalte sind die Dinge, die sie selber auch entwickeln wollen. Das fördert Selbstständigkeit und natürlich auch das Selbstbewusstsein. Daraus entstehen Teams. Und wenn man, gekoppelt mit den Werten, bereit ist, aus einem individuellen Gedanken, einen Teamgedanken werden zu lassen, dann entwickeln wir Menschen, die bereit sind, mehr in etwas zu investieren, als sie verlangen. Das ist für mich so eine Team-Idee, die dahintersteckt.

Sportschule Hennef: Und wie kam es zu der Entscheidung, dieses Trainingslager hier in Hennef zu machen?

Erik: Warum machen wir das in Hennef? Ganz einfach: Ich habe so viele Lehrgänge in der Sportschule Hennef gemacht, die allesamt positive Wirkung auf die Sportler hatten. Und das sind für mich ganz wesentliche Elemente. Hier stimmen die Rahmenbedingungen, um Leistungssportlern auf ihrem Karriereweg einen wichtigen nächsten Schritt mitzugeben. Das sind zum einen die Trainingsbedingungen, die wir vor Ort haben. Wir haben vielseitige Möglichkeiten, ob das Krafttraining, Training in der Halle oder auch Theorietraining im Seminarraum ist. Wir können die Sportstätten draußen nutzen, wenn wir im athletischen Bereich arbeiten wollen. Es gibt eine vielfältige Möglichkeit der Weiterentwicklung im Training. Darüber hinaus haben wir hier kurze Wege in Hennef. Die Jungs können optimal die Zeiten der Regeneration nutzen. Sie haben ihre Zimmer, wo sie wieder runterkommen und vom Training entsprechend regenerieren können. Wir haben eine Top-Verpflegung in Hennef. Das ist eine Gefahr für uns Trainer, weil das Essen einfach gut, sportlergerecht und sehr lecker ist.

Die Jungs genießen einerseits gute Trainingsmöglichkeiten und andererseits die Formen der Regeneration. Neben diesen Dingen darf man eines nicht außer Acht lassen, was gerade bei jungen Leuten, die zu so einem Lehrgang zusammenkommen und sich vielleicht noch nicht so gut kennen, positiv beiträgt: Wir sind hier umgeben von sehr herzlichen Menschen. Die sind sehr schnell in der Lage, sich hier auf den Sport zu konzentrieren, weil die Atmosphäre sehr, sehr positiv ist. Das ist für uns eine wertvolle Konstellation. Deswegen kommen wir sehr gerne nach Hennef. Ich erinnere gerne daran, dass wir hier letztes Jahr mit der A-Nationalmannschaft unsere Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Paris gemacht haben. Wir sind nachher mit einer Silbermedaille von den Olympischen Spielen zurückgekommen. Deswegen sind meine Erinnerungen an Hennef immer positiv und zwingen mich natürlich auch ein bisschen dazu, mit den Jungs auch hierhin zu kommen.

Die Deutsche Männer-Handballnationalmannschaft bereitete sich 2024 in der Sportschule Hennef auf die Olympischen Spiele in Paris vor

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